Transkription AudioDatei Donnersmarck-Cup 2005

Anmoderation:

Die Fürst Donnersmarck-Stiftung unterstützt Menschen mit Behinderungen bei der Rehabilitation. Ein wichtiger Bestandteil dieser Hilfe ist Sport. Eine ganz besondere Sportart ist dabei Rollstuhlrugby. Ende Februar trafen sich sieben Mannschaften aus ganz Deutschland zum 2. Donnersmarck-Cup im Haus Rheinsberg Hotel am See. In dieser speziell für Behinderte ausgestatteten Hotelanlage in Brandenburg zeigten die Teams drei Tage lang, wie rasant und faszinierend Rollstuhlrugby sein kann. Klaus Fechner war dabei:

Text des Beitrages:

Es geht hart zur Sache beim Rollstuhlrugby. Die vier Spieler je Mannschaft schenken sich nichts. Dabei werden die Rollstühle wie Rammböcke eingesetzt, um Wege freizublocken.

Der ballführende Gegner wird attackiert und so zur Auslinie gedrängt oder ausgebremst. Dieser versucht sich mit blitzschnellen Drehungen auf engstem Raum einen Weg zur Torlinie zu bahnen.

Rollstuhlrugby ist ein Ballsport, bei dem Kraft und Ausdauer gefragt sind. Aber auch Technik und taktische Finessen sind wichtig. Thomas Stanitzke, Spielertrainer bei den Raptors aus Berlin, erläutert worauf es ankommt:

"Dass jeder Spieler nach Behinderungsart seine Aufgabe hat. Wer mehr Funktionen hat, der ist meist der Ballführer. Die Spieler mit weniger Funktionen helfen dem Ballführer, dass sie ihn freiblocken, andere Spieler wegblocken."

Und das alles in ganz speziellen Wettkampf-Rollstühlen. Zwischen 4.000,- und 7.000,- Euro kosten sie im Durchschnitt:

"Das Besondere an den Stühlen ist, dass sie alle Maßangefertigt sind. Dann ist es ein sehr leichtes Material mit viel Sturz in den Rädern, dadurch sind die Rollstühle sehr wendig. Es geht auch nach Behinderung. Je mehr Behinderung, desto flacher und länger sind die Stühle. Je geringer die Behinderung ist, desto kürzer sind die Stühle und bieten weniger Angriffsfläche. Sie sind runder und bieten nicht so viel Angriffsfläche für die Gegenspieler."

Thomas Stanitzke sitzt seit 8 Jahren im Rollstuhl. Er hat sich beim Eishockey zwei Halswirbel gebrochen - die Folge ist eine inkomplette Lähmung der Halswirbelsäule. Seit 6 Jahren ist er beim Rollstuhlrugby dabei - und das äußerst erfolgreich. Er gewann mit seiner Mannschaft den Donnersmarck-Cup 2005, die Raptors konnten alle Partien für sich entscheiden.

Und das bei einem sehr ausgeglichenen Turnier. Viele Spiele brachten erst kurz vor Schluss eine Entscheidung und endeten mit nur einem Tor Unterschied. Weniger gut verlief der Donnersmarck-Cup für den RSC aus Hamburg - die Norddeutschen landeten auf dem letzten Rang. Das Besondere: zwei Frauen gehören zum Team. Eine von Ihnen ist Anette von Laffert. Die Studentin ist seit vier Jahren dabei:

"Ich bin zum Rugby gekommen in der Reha. Dort wurde es angeboten, man konnte mitspielen. Ich wurde gleich eingebunden. Es ist sehr schön, dass alle sofort aufgenommen werden und alle mitmachen können. Egal wie wenig oder wie viele Möglichkeiten sie haben."

Jeder Mitspieler wird seinen Fähigkeiten entsprechend anders eingesetzt. Trotz der heftigen Zusammenstöße und des hohen Tempos beim Rollstuhlrugby gibt es kaum Verletzungen. Heiko Striehl ist Spielmacher der Heidelberg Lions und schon lange dabei. Er war Trainer der Nationalmannschaft und erlebte die Paralympics in Sydney und Athen hautnah:

"Eigentlich gibt es keine Verletzungen beim Rollstuhlrugby. Wir haben Verschleiß, das merkt man nach Jahren an den Schulterpartien, dass sie in Mitleidenschaft gezogen werden. Aber direkte Verletzungen sind ganz selten. Man ist angeschnallt, man ist gepolstert. Wir haben einen dabei, der spielt sogar mit Helm. Komischerweise ist der noch nie aus dem Stuhl rausgefallen. Es passiert ganz wenig."

Der 36-jährige Heiko Striehl ist gleichzeitig der Organisator des Donnersmarck-Cups im Haus Rheinsberg. Seine Bilanz der diesjährigen Auflage, es war bereits die Zweite, sieht positiv aus:

"Das Resüme ist riesig. Wir sind hier in Kooperation mit dem Haus schon seit drei Jahren. Wir pflegen eine Partnerschaft, mit der wir hier schon mehrere Turniere ausgerichtet haben. Die Gegebenheit hier im Haus sind perfekt für uns Rollstuhlfahrer und das Turnier dazu, der Ablauf, die Organisation - alles drum herum war perfekt, hat gestimmt".

Für drei Tage verwandelte sich das behindertengerecht ausgestattete HausRheinsberg Hotel am See in eine Art Materiallager: Rund um die Sporthalle stapelten sich Ersatzreifen für die Rollstühle, Handschuhe der Spieler, Spraydosen, Klebebänder und Schraubenzieher.

Die nächste Auflage des Donnersmarck-Cups ist bereits in den Köpfen der Planer - auch dann geht es wieder hart zur Sache.

Reportage Klaus Fechner, verantwortlich: Thomas Golka
 

 

Bilder vom Cup 2005

Der Donnersmarck-Cup in Bildern