Wege zu Bewegung und Sport

Man muss ganz einfach anfangen: „Mit weit gucken und Augen rollen“

Tagung der nationalen Informationsstelle für den Sport behinderter Menschen

Rund 50 Teilnehmer haben sich am 4. und 5.3.2005 zur Tagung „Menschen mit Behinderung - Wege zur Bewegung und zum Sport“ im HausRheinsberg, Hotel am See, getroffen, die u.a. vom Berliner Senat, dem Deutschen Sportbund, der Freien Universität Berlin und der Fürst Donnersmarck-Stiftung gefördert wurde. „Die Kreise 1. des Sports, 2. des Behindertensports sowie 3. der Behindertenarbeit und Rehabilitation treffen sich hier in Rheinsberg. Die verschiedenen Gruppen können sich hier gegenseitig informieren, ihre Anliegen darstellen und gemeinsam nach Strategien suchen, wie wir Menschen für den Sport behinderter Menschen gewinnen können“, beschrieb Frau Professor Gudrun Doll-Tepper, Beiratsvorsitzende der Infostelle das Ziel der Veranstaltung. „Wir wollen Weichen stellen, für weitere Kooperationen zwischen diesen drei Bereichen, die sich mit Bewegung und Sport für Menschen mit Behinderung beschäftigen.

Das erste Hauptreferat, gehalten von Dr. Detlef Kuhlmann aus der Sicht des Sports, zielte auf die Fragestellung: Wie gewinnen wir Menschen für das Sporttreiben? Beim Sport könne man eigenes Können entwickeln, gute Gewohnheiten pflegen, soziale Beziehungen leben und persönliche Verantwortung übernehmen. Im Sinne der Lebenskunst von Wilhelm Schmid solle man sein Leben so gestalten, dass es bejahenswert ist. Sein Resümee: Es gibt im Sport nicht das Perfekte, alles lässt sich stets verbessern, egal auf welchem Niveau, „aber wer Ja sagt zum Sport, hat sich selbst schon für den Sport gewonnen.

Dr. Friedrich Mehrhoff vom Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften beleuchtete die Frage der Bedeutung des Sports innerhalb der Rehabilitation. Er unterstrich die Effizienz des Reha-Sports auf Grundlage des SGB IX. „Der höhere Aufwand beim Sport lohnt sich, wenn die Rehabilitanden auch langfristig dabei bleiben.“ Um sie bei der Stange zu halten, seien Partnerschaften zwischen Reha und Sport vonnöten.

In der anschließenden Podiumsdiskussion betonte Paralympics-Siegerin Marianne Buggenhagen die rehabilitative Wirkung von Leistungssport. „Ohne die Erfolgserlebnisse im Sport säße ich heute schief im Rollstuhl mit einer karierten Decke über den Knien und hätte Pflegestufe II.“ Sie sieht ihre Aufgabe bei der Motivation zum Sport in der Vorbildwirkung: „Ich gehe mit anderen Sportlern in Kliniken und zeige, was im Rollstuhl noch alles geht!

Rainer Kluge, Behindertenbeauftragter des Landes Brandenburg, unterstützte den Peer Counseling-Gedanken auch im Sport, erinnerte an Bewegungsangebote für schwerbehinderte Menschen und berichtete dann über ein Konzept aus dem Jugend-Ministerium, das die Integration behinderter Schüler in den drei Sportschulen seines Landes fördern sollte. Weitere Themen waren u.a. Wohnortnähe und Zugänglichkeit der Angebote, Finanzierung der Fahrten in einem Flächenland und die dauerhafte Unterstützung des Reha-Sports. Siegfried Ringleb, Übungsleiter im Diabetikersport, sah schon in der Einstiegsschwelle eine Herausforderung. „Man muss ganz einfach anfangen: Mit weit gucken und Augen rollen.“ Durch langsames Heranführen seien die ersten Hemmnisse beim Sporttreiben zu überwinden.

Den ersten Tag beschloss eine Demonstration von Dagmar Kubanski, die zusammen mit den Teilnehmern in der Sporthalle des Hotels praktische Übungen aus dem Selbstbehauptungstraining für behinderte Frauen und Mädchen durchführte, einer neuen Leistung aus dem SGB IX.

Das persönliche Budget statt Sachleistungen – eine Chance für den Sport? Diesem Thema stellte sich zu Beginn des zweiten Tages Werner Link aus der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz. Bevor zum Schluss Vertreter aller drei Gruppen über Möglichkeiten diskutierten, den Stellenwert des Sports im Leben von Menschen mit Behinderung zu erhöhen, berichtete Klaas Brose noch über Bestand und Entwicklung von Netzwerken im Sport.

Ausgerichtet wurde die Tagung von Erika Schmidt-Gotz und dem Team der Informationsstelle für den Sport behinderter Menschen, „die Informationen aller Art und Adressen (national/international) rund um den Sport von Menschen mit Behinderung sammelt und verteilt.“

Im Anschluss an die Tagung traf sich der Beirat der Infostelle, bestehend aus seinen Vertretern der Sportministerkonferenz, dem Deutschen Sportbund, dem Deutschen Behindertensportverband, dem Deutschen Gehörlosen Sportverband und der Freien Universität Berlin, „um die Ergebnisse der zweitägigen Treffens zu bewerten“, so die Beiratsvorsitzende Doll-Tepper. „ Wir wollen die Arbeit der Infostelle noch optimaler gestalten.“

Während der Tagung hatte Gudrun Doll-Tepper die CD-ROM mit Ergebnissen des Thenapa-Projekts vorgestellt. Die CD-ROM bietet erstmals Materialien auf Deutsch zur Motivation behinderter Menschen „an Bewegung und Sport teilzunehmen – auf allen Ebenen einschließlich Rehabilitation, Schulsport, Freizeitsport und Wettkampfsport“, so das Booklet der CD. Diese CD kann bei der Infostelle (Tel.: 030/838-55835/6) oder der Fürst Donnersmarck-Stiftung post.fdst@fdst.de bestellt werden.

Thomas Golka


 

 
Portrait von Frau Gudrun Doll-Tepper und Herrn Tomoyasu Yasui
Professor Gudrun Doll-Tepper und der Teilnehmer mit der längsten Anreise, Professor Tomoyasu Yasui aus Hokkaido, Japan
 

Zur Fotostrecke

Fotos von der Tagung in Ihrem theoretischen und praktischen Teil finden Sie in unserer Fotogalerie.
 

Links zum Thema

Informationsstelle für Sport behinderter Menschen
www.info-behindertensport.de

Deutscher Sportbund
www.dsb.de

Deutscher Behindertensportverband
www.dbs-npc.de

Freie Universität
www.fu-berlin.de

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport
www.berlin.de

Deutscher Gehörlosen-Sportverband
www.dg-sv.de

HausRheinsberg
www.hausrheinsberg.de

Fürst Donnersmarck-Stiftung
www.fdst.de