Zukunft braucht Teilhabe

Teilhabeplan angestoßen

Zukunftskonferenz im HausRheinsberg vom 18.-20.11.2004

Tagung von Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation und dem Beauftragten für die Belange Behinderter Menschen bei der Bundesregierung

Zukunft braucht Teilhabe - Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) und der Beauftragte für die Belange Behinderter Menschen bei der Bundesregierung veranstalteten zwischen dem 18. und 20. November 2004 gemeinsam eine Zukunftskonferenz im HausRheinsberg, Hotel am See.

Den rund 60 Teilnehmenden der Zukunftskonferenz "Zukunft braucht Teilhabe" führte Karl Hermann Haack, Beauftragter für die Belange Behinderter Menschen bei der Bundesregierung, zu Beginn der Tagung in Rheinsberg noch einmal die Erfolge der letzten Jahre vor Augen: Behindertengleichstellungsgesetz, SGB IX, das Europäische Jahr der Menschen mit Behinderung, die Förderung von Ausbildung und Beschäftigung durch mehrere Gesetzesvorhaben und Kampagnen sowie das in Aussicht stehende Antidiskriminierungsgesetz. "Gleichwohl:", so Haack im weiteren Verlauf seiner Ansprache, "noch vieles muss in Politik und Gesellschaft bewegt werden, um die umfassende Gleichstellung und Teilhabe behinderter Menschen zu erreichen. Vor diesem Hintergrund haben wir die Idee entwickelt, auch für Deutschland einen nationalen Teilhabeplan zu formulieren, der uns eine Leitlinie für zukünftige Ziele und Aufgaben der Behindertenpolitik bis 2015, 2020 geben kann."

Die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer kamen aus Politik und Verwaltung, von Leistungsträgern, Unternehmen und Arbeitgebern, sind Betroffene und Angehörige, arbeiten bei Medien und in der Wissenschaft, stehen für die Leitungserbringer und die Gruppe der Fachkräfte in der Rehabilitation, sind Vertreter der Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrts- und Behindertenverbände. Sie alle repräsentierten umfassend die am Entstehen eines Teilhabeplans beteiligten Gruppen.

Welche Ergebnisse zeitigte die Tagung?

Im Laufe der drei Tage hatten sich folgende acht Themenbereiche als Themenschwerpunkte für einen Teilhabeplan herauskristallisiert und wurden in Themengruppen im letzten Drittel der Veranstaltung diskutiert:
  1. Barrierefreiheit,
  2. Leben in der Gemeinde,
  3. Finanzierung/Persönliches Budget,
  4. Bewusstseinsschaffung,
  5. Gesundheit/Rehabilitation,
  6. Arbeit,
  7. Bildung,
  8. vereinfachtes Sozialrecht.

Die Teilnehmenden bearbeiteten alle übergeordneten Themen methodisch unter vier Aspekten: Ziele für einen Teilhabeplan zu entwickeln, Aufgaben zu konkretisieren, Hemmnisse zu beschreiben und Lösungsansätze zu entfalten. Alle Arbeitsgruppen berücksichtigten unter der zielführenden Moderation von Dr. Gisela Hermes und Susanne Lörx Interkulturalität und Gender-Aspekte. Sie bezogen alle Behinderungen mit in die Betrachtungen ein und beachteten die Einbindung Betroffener in Entscheidungsprozesse sowie die Sicherung eigenständiger Entscheidungsmöglichkeiten bei der Ausarbeitung der Themen als übergreifende Anforderungen. Bernd Steinke, Geschäftsführer der BAR, wertete die erarbeiteten Themenschwerpunkte als die, "die auch wir als die wichtigsten Themen im Moment identifiziert haben."


Stellvertretend für die Arbeitsergebnisse in den acht Themenschwerpunkten sollen hier die Teilziele der AG Leben in der Gemeinde dargestellt werden:
  • Auflösung der Sondereinrichtungen mit überschaubarem Zeitplan unter Klärung der Frage wie und wohin die Bewohnern gehen, ein sofortiger Stopp von Großeinrichtungsneubauten
  • Gleichwertiges Leben in der Gemeinde mit bedarfsgerechter Unterstützung, die individuell, verlässlich und ausdifferenziert ist
  • Schaffung von Netzwerken unter Nutzung der Selbsthilfe und Stärkung des sozialen Umfelds
  • Zugang zu Ressourcen der Gemeinde hinsichtlich Infrastruktur, Verkehr, Mobilität, Kultur, Information
  • Leistungen aus einer Hand in einem Bürgerservicehaus, das zuständig für Beratung, Leistungen und Finanzen ist
  • Verankerung der Beteiligungsrechte

Als Hemmnisse bei der Erreichung der Teilhabeziele identifizierte die Gruppe Beharrungstendenzen der traditionellen Strukturen, Mangel an passender barrierefreier Substanz und fehlendes Bewusstsein. Mittels Medienkampagnen, konsequenter Personenorientierung und persönlichem Budget seien die Hindernisse zu überwinden.

Wie geht es weiter?

Dr. Christian Berringer, Leiter des Interministeriellen Arbeitsstabes beim Beauftragten für die Belange behinderter Menschen, führte dazu aus: Es sei grundsätzlich erklärtes Ziel, den Plan möglichst hochrangig zu verankern und dabei weiterhin den Dialog mit den beteiligten Gruppen, den Stakeholdern führen. In einem ersten Schritt werde eine Tagungsdokumentation erstellt, die inhaltlich die Ergebnisse der Zukunftskonferenz zusammenfasst. Das soll ungefähr bis März 2005 geschehen. Die Kommentare und Anregungen der Teilnehmenden der Tagung werden in der Folge eingeholt. Im weiteren Verlauf des Frühjahres wird es Workshops geben, die sich mit ausgewählten Fragestellungen befassen. Voraussichtlich im Juni 2005 wird es einen fertigen Text geben, der im Juli 2005 in einem Workshop erneut breit diskutiert wird. "Sie sehen, wir nehmen die Ergebnisse treuhänderisch entgegen und versuchen, einen zivilgesellschaftlichen Dialog zu starten."

Thomas Golka

 

 

Teilhabeplan erschienen

Im September 2005 erschien die Dokumentation, die die vielgestaltigen Erträge der Zukunftskonferenz zusammenfasst. Sie ist ein Werkstattbericht und eine Arbeitsgrundlage, die zur Auseinandersetzung und zur Weiterführung einladen soll. Diese Veröffentlichung kann beim

Beauftragten der Bundesregierung für
die Belange behinderter Menschen
11017 Berlin
Tel.: 01888/441-1822
Fax: 01888/441-1803

kostenlos bezogen werden.
 

Fotostory

Teilnehmende schreiben auf eine Tafel
 
Impressionen der Zukunftskonferenz in Rheinsberg