Barrierefreier Tourismus Nachlese Jour fixe

Reisen für Alle?

Sechs Personen auf einem Diskussionspodium
Diese Frage war Thema einer Podiumsdiskussion am 15. November 2006 in der Villa Donnersmarck. Die Fürst Donnersmarck-Stiftung hatte die parlamentarische Geschäftsführerin der Bündnis 90/die Grünen Undine Kurth, die Journalistin Dr. Sigrid Arnade, das Mitglied des Beirats der Nationalen Koordinationsstelle Tourismus für Alle e.V. (NatKo) Harmut Smikac, den Geschäftsführer von Mare Nostrum Michael Geiss sowie Ines Voll vom Reisebüro der Fürst Donnersmarck-Stiftung eingeladen, um mit mobilitätseingeschränkten Gästen über Chancen und Probleme des barrierefreien Tourismus zu diskutieren.

Unter der Moderation von Eileen Moritz, Fürst Donnersmarck-Stiftung, tauschten sich die Podiumsteilnehmer und das anwesende Publikum zwei Stunden lang über den Wachstumsmarkt Reisen für Menschen mit Behinderungen aus. Angesichts der Zahlen des Statistischen Bundesamts, wo von 20 Millionen in ihrer Mobilität eingeschränkten Deutschen ausgegangen wird, sei es für Undine Kurth eine große Chance für Reiseanbieter, sich verstärkt mit Reiseangeboten auf diese Zielgruppe einzustellen. „Es ist nicht zu verstehen, dass dieses ökonomische Potential und die durch Wachstum neu entstehenden Arbeitsplätze in der Tourismusbranche nicht gesehen und entsprechend gehandelt wird,“ so Undine Kurth, die tourismuspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Der demografische Wandel mache die Notwendigkeit, auch in der Tourismusbranche umzudenken, sehr deutlich.
Michael Geiss von Mare Nostrum und Ines Voll vom Reisebüro der Fürst Donnersmarck-Stiftung unterstreichen die ökonomischen Vorteile, sich dieser Reiseklientel anzunehmen, ebenfalls. Gerade die hohe Kundenzufriedenheit und wachsende Stammkundenzahlen erforderten zwar einen hohen Beratungsbedarf, seien aber lebendige Beispiele, dass Reiseangebote für Menschen mit Behinderungen für Reiseanbieter attraktiv sind.

Dr. Sigrid Arnade betonte die wachsende Vielfalt von Angeboten für Menschen mit Behinderungen, gerade im Naturerleben, ein Bereich, der laut einer Studie vom Bundesministerium für Wirtschaft von Menschen mit Behinderungen stark nachgefragt wird.
Barrierefreie Naturparks wie die Eifel seien oft vorbildlich ausgestattet. Probleme sieht die Journalistin im Informationsfluss. Es fehlen oft Hotels, die Urlaub in Naturparks erst möglich machen.

Insbesondere Mängel in der touristischen Servicekette und Überlegungen zur Verbesserung waren Gegenstand der Diskussionen auf dem Podium und unter den anwesenden Gästen. Der Handlungsbedarf wurde als sehr hoch eingeschätzt. Michael Smikac von der NatKo berichtete von den positiven Signalen, die aus dem Projekt „Gastfreundschaft für Alle“, den deutschlandweiten Modellseminaren in Tourismusregionen für Hotellerie und Gastronomie über Barrierefreiheit, hervorgehen. Auch Michael Geiss unterstrich die Impulskraft, die von Reiseanbietern wie Mare Nostrum ausgehen, wenn er mit Hotels und Fluggesellschaften über die Transferfahrten für seine behinderten Kunden verhandelt und auch Erfolge aufweisen kann. So verfügen die Hotels, mit denen Mare Nostrum in Baderegionen zusammenarbeitet, über Wasserrollstühle.
Die Realität stellt gerade den Individualreisenden mit Behinderungen oft vor große Probleme. Stimmen aus dem Publikum erzählten, dass das Servicepersonal der Deutschen Bahn nach 18.00 Uhr keine mobilitätseingeschränkte Fahrgäste aus den Zügen hole. Ein rollstuhlfahrendes Paar müsse in getrennten Waggons fahren, da es immer nur einen rollstuhlgerechten Sitzplatz gebe.
„In der Mobilitätskette hakt es an alle Ecken und Kanten,“ gibt auch Undine Kurth zu. Oft sei der politische Arm nicht ausreichend. Die tourismuspolitische Sprecherin der Grünen appellierte an die Menschen mit Behinderungen, den Klageweg zu beschreiten, um ihr Recht auf mehr Barrierefreiheit einzufordern.

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Bilder von der Podiumsdikussion in der Villa Donnersmarck

 

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