Barrierefreies Rheinsberg

Barrierefreiheit als Standortfaktor

3 Personen an einem Tisch
 
Bei einem Arbeitsbesuch am 7.12.2006 in Rheinsberg informierten sich die Bundestagsabgeordneten Undine Kurth, parlamentarische Geschäftsführerin und tourismuspolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, und Dr. Ilja Seifert, Behinderten- und tourismuspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE., in einem Gespräch mit Manfred Richter, dem Bürgermeister von Rheinsberg, und der Direktorin des barrierefreien Hotels „Haus Rheinsberg“ Corinna Abele über die Potenziale, aber auch Probleme und Handlungsfelder des Barrierefreien Tourismus. Ganz oben auf der Tagesordnung stand die im Winter schwierige Anreise mit der Bahn, da z.Zt. keine barreirefreien Züge nach Rheinsberg rollen können.

1,6 Milliarden Euro werden von Gästen mit Behinderungen für Übernachtungen und 1,5 Milliarden im Tagestourismus ausgegeben. Aber 40 Prozent der ca. zehn Millionen Menschen mit Behinderung haben schon auf eine Reise verzichtet, weil es kein geeignetes Angebot gab. Bauliche und mentale Barrieren sowie Informations- bzw. Kommunikationsdefizite verhindern die aktive und gleichberechtigte Nutzung der touristischen Angebote. Ein Mehr an Barrierefreiem Tourismus brächte auch mehr Ausbildungs- und Arbeitsplätze in der Tourismuswirtschaft. Es gibt nur wenig barrierefreie Angebote wie zum Beispiel das „Haus Rheinsberg“.

Undine Kurth ergänzte: „Nach wie vor wird zu wenig in barrierefreie Angebote und in ausreichende Beratung investiert. Hier müssen sich Bundesregierung, Kommunen und Tourismuswirtschaft gemeinsam engagieren. Die im Bundeshaushalt 2007 beschlossenen Kürzungen im Bereich des barrierefreien und integrativen Tourismus sind das falsche Signal.

Dr. Seifert erklärte: „Barrierefreiheit soll nicht als Überregulierung empfunden, sondern als Qualitätsmerkmal des Tourismus verstanden werden. Wenn Barrierefreiheit ein Standtortfaktor werden soll, braucht es mehr als Einzelmaßnahmen mit Modellcharakter. Wir brauchen ein breiteres Verständnis von Barrierefreiheit, nicht „Sonderlösungen“ sondern Angebote für Alle. Es geht um Anreisemöglichkeiten und Unterkünfte sowie touristische Angebote vor Ort – um Barrierefreiheit als durchgängiges Prinzip.“ Gerade diese Projekte, die es in Rheinsberg mit dem Hotel, dem Schloss, zugänglichen Booten und Schiffen sowie vielen Kilometern Handybikestrecke gibt, sollen zu einem barrierefreien Urlaubserlebnis zusammenwachsen.

Das Jahr 2007 ist das "Europäische Jahr der Chancengleichheit für alle". "Wir möchten, dass es auch in Deutschland für Menschen mit Behinderungen uneingeschränkt möglich wird, ihr Recht auf Urlaub und Reisen wahrnehmen zu können", versicherten die beiden Reisenden aus der Hauptstadt vor ihrer Abreise - mit dem Auto.
 
nach oben