Deutsche Meisterschaft im Rollstuhltanz

Rumba ist Werben umeinander

HausRheinsberg beherbergte am 13. Mai 2006 die Deutsche Meisterschaft im Rollstuhltanz und den Deutschlandpokal


Dass sich Turniertänzer zu präsentieren verstehen, ist eine Binsenwahrheit. Sonst würden sie sich nicht den Kampfrichtern stellen, sondern für sich allein tanzen. Aber sie können auch feiern, sich und die Konkurrenz. Das war am 13. Mai 2006 in der Seehalle des HausRheinsberg bei den Titelkämpfen um den Deutschlandpokal (DP) ebenso zu spüren wie bei der offenen Deutschen Meisterschaft (DM). Denn die fröhliche, z.T. ausgelassene Stimmung hielt von morgens um 11.00 Uhr, als die Breitensportveranstaltung Deutschlandpokal begann, bis kurz vor Mitternacht, als die letzten Meistertitel vergeben waren.

Ausgetanzt wurden Titel in den Standard- und Lateinamerikanischen Tänzen, jeweils im Duo (zwei Rollstuhlfahrer) und im Combi (Rollstuhl und Fußgänger). Der Grad der Funktionseinschränkung bestimmt die Klassifizierung in LWD-Gruppen (international: Level wheelchair dancing). Das führte zu rund 15 verschiedenen Gruppen und einer Vielfalt von Wertungen, Medaillen und Preisen. Ungeübte Zuschauer konnten schon einmal die Übersicht verlieren. Doch Ines Tack, Moderatorin im DP, sorgte stets für Klarheit.

Abends, bei der DM, führte Wolfgang Römer, Moderator vom TC Royal Gütersloh, die Zuschauer fachkundig durch das Programm und in die Wertungskriterien Takt und Balance, Ausdruck und Technik sowie Harmonie ein. Auch die Umsetzung der Charakteristik eines Tanzes wird bewertet, und diese Charakteristik erläuterte er stets sehr bildhaft: „Rumba ist die vertikale Umsetzung eines horizontalen Wunsches. Denn die Rumba ist ein Werben umeinander: Die Dame schwankt zwischen Hingabe und Flucht und der Herr zwischen Zuneigung und Selbstherrlichkeit.“
Die Ergebnisse
Bei den Ergebnissen beeindruckte im Breitensport das Land Mecklenburg-Vorpommern mit Anja Mauritz/Ulrike Müller (RTG Neubrandenburg) sowie Cornelia Hardt/Guido Dobbert aus Rostock. Beim Turnier um die DM setzten sich in spannenden Kämpfen, bei denen auch die Fanblocks alles gaben, wenn die Paare an „ihrer Ecke“ vorbeitanzten, am Ende jeweils ausländische Paare durch:
Im Standardtanz Combi LWD 2 siegten Michael Post / Nadia van der Brink aus Holland, bei der LWD 1 Karol Skarzynski / Marta Sikorska aus Polen. Die ersten Plätze bei den lateinamerikanischen Tänzen Combi LWD 2 an die Vizeweltmeister Kamil Kuran / Nadine Kinczel Polen und bei LWD 1 siegten erneut Karol Skarzynski / Marta Sikorska.
Deutsche Meister wurden die bestplatzierten Paare aus Deutschland Jean-Marc Clement / Andrea Naumann (Combi LWD 2) aus Frankfurt und Christian Feeß / Claudia Maierl (Combi LWD 1) aus Nürnberg, Horst Wehner/Almira Büchner aus Chemnitz und Norbert Hübl / Angela Schulz aus Rostock.
Übrigens ist die Erstnennung des Mannes keine altertümliche Marotte des Autors, sondern unerwarteter Weise eine Festlegung im Reglement des ansonsten so galanten Sports.
Die Zuschauer
Aber die Zuschauer, im Gegensatz zu den Aktiven, werden wohl weniger die Ergebnisse im Kopf behalten, sondern einen eindrucksvollen Tag, der stets eine Werbung für den Rollstuhltanzsport war. Dazu hatte auch die Einlage der Fachgruppe Tanzen in der Turngemeinde Berlin beigetragen, die mit einem freien Gruppentanz für eine Rollstuhlfahrerin und ein Paar die Möglichkeiten dieser Sportart ausloteten und unter frenetischen Applaus eine Zugabe tanzen mussten.

Corrie van Hugten, ehemalige Tanzlehrerin aus Holland, jetzt Wertungsrichterin im Rollstuhl und Prophetin des Rollstuhltanzes, fasste es so zusammen: „Jeder kann das lernen, jeder kann diese Freude erleben!“

Thomas Golka

 

 

Augenschmaus

Paar beim Standardtanz. Herr im Rollstuhl
Fotos von der offenen Deutschen Meisterschaft im Rollstuhltanz
 

Fotos vom Deutschlandpokal

Rollstuhltanz in Berlin

Weitere Informationen zur Berliner Gruppe, die den freien Tanz vorführte, finden Sie unter