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Forschungspreis der Fürst Donnersmarck-Stiftung

6 Personen auf der Bühne, einer im Rollstuhl, die Preisträger mit Urkunde in der Hand
Professor Schönle (Juryvorsitzender), Dr. Weiand (Preisträgerin), Fürst von Donnersmarck (Kuratoriumsvorsitzender), Professor Dobkin (Preisträger), Professor Lotze (Preisträger) (stehend v.l.n.r.)
in der ersten Reihe: Prof. Wegscheider (Jurymitglied)


Beitrag Preisverleihung
Länge 5 min 36
Datum 24.11.2006
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Die Fürst Donnersmarck-Stiftung verlieh im Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt erstmalig den mit 30.000 Euro dotierten Forschungspreis für neurologische Rehabilitation.
Mit diesem Preis will die Stiftung in ihrem 90. Jubiläumsjahr ein Zeichen setzen. Denn die Forschungen helfen vor allem Menschen, die Schädel-Hirn-Traumata oder Schlaganfälle erlitten haben.

Dr. Guidotto Fürst von Donnersmarck ,Vorsitzender des Kuratoriums, betont, dass die Stiftung mit diesem Preis wieder zu ihren historischen Wurzeln zurückkehrt.

Dr. Guidotto Fürst von Donnersmarck
O-Ton: Vor 90 Jahren, im ersten Halbjahr des Kriegsjahres 1916 errichtete mein Urgroßvater Guido Henckel von Donnersmarck eine Stiftung, die sich der Rehabilitation kriegsversehrter Soldaten widmen sollte. Die Idee zu der Stiftung war entstanden aus der Erfahrung, die der Stifter in seinem bereits 1914 in Berlin-Frohnau errichteten Privatlazarett gemacht hatte. Der Erfahrung nämlich, dass bestimmte Verletzungen sich medizinisch nur unzureichend behandeln ließen, weil sie neu und in ihrer speziellen Form der Medizin noch unbekannt waren.

Das Thema Rehabilitation ist eine der wichtigsten Aufgaben des Gesundheitswesens. Menschen zu helfen, wieder ein selbständiges Leben zu führen und ihren Alltag bestehen zu können, das hat sich die Fürst Donnersmarck-Stiftung ins Wappen geschrieben. Und das sei mehr als lobenswert, so Dr. Herbert Rische, Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund in seinem Festvortag.

Dr. Herbert Rische
O-Ton: Mit dem Thema des Jubiläumsjahres „Neues Denken - Leben Stärken“ setzt die Stiftung ihre Tradition fort, Herausforderungen anzunehmen, innovative Ideen zu fördern und diese auch umzusetzen. Eine der großen Herausforderungen an die Rehabilitation stellt in den nächsten Jahrzehnten die demografische Entwicklung in Deutschland mit ihren vielfältigen Konsequenzen für verschiedene Lebensbereiche dar.


Unterstützung bekommt die Fürst-Donnersmarck-Stiftung auch von politischer Seite. Berlins Senatorin für Arbeit und Soziales, Dr. Heidi Knake-Werner, unterstrich in ihrem Grußwort die Bedeutung dieses Preises:

Dr. Heidi Knake-Werner
O-Ton: Die Stiftung hat sich mit der heutigen Verleihung des Forschungspreises für Arbeiten zur neurologischen Rehabilitation von erworbenen Schädigungen des Nervensystems ihrer Wurzeln besonnen. Auch deshalb finde ich es so wichtig, dass sie sich zu dieser Sparte ihrer vielfältigen Tätigkeiten entschieden haben. Denn hier geht es in der Tat darum, Innovationen auf dem Gebiet körper- und mehrfach behinderter Menschen sowie die darauf ausgerichtete wissenschaftliche Forschung zu unterstützen, voranzubringen, zu bereichern.

Mehr als 30 internationale Forschungsarbeiten wurden eingereicht. Gewonnen haben schließlich drei Wissenschaftler: Prof. Martin Lotze von der Universität Greifswald. Er untersuchte und verglich das Lernverhalten gesunder Menschen und von Patienten mit Schädel-Hirn-Traumata. Darüber erhielt er neue Erkenntnise über Funktionsweisen des Gehirns.
Die zweite Preisträgerin, Dr. Claudia Weiand von der Median-Klinik in Magdeburg begründete eine neue Therapiemethode, die sich an Alltagsanforderungen orientiert. Prof. Dr. Paul Walter Schönle, Jurymitglied, begründet die Entscheidung.

Professor Paul-Walter Schönle
O-Ton: Die gleichrangige Preisverteilung ist Symbol dafür, dass für die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Hirnschädigungen sowohl herausragend theoretisch neurowissenschaftliche Kenntnisse, in denen der Rehabilitation zugrunde liegenden Prozesse der Reorganisation und Plastizität erforderlich sind, als auch die besten Erkenntnisse und Methoden zur wirkungsvollen Behandlung. Die Teilung des Preises bringt nicht nur die Gleichwertigkeit der beiden Arbeiten, sondern auch die Bedeutung beider Forschungsrichtungen für die neurologische Rehabilitation zum Ausdruck.

Als dritter Gewinner wurde Prof. Bruce Dobkin, Neurologe an der Universität von Los Angeles, für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Prof. Dobkin widerlegte in einer Studie unter anderem den Erfolg von Stammzellen-Transplanationen bei Querschnittlähmungen.

Eine der Geehrten, Dr. Claudia Weiand, veranschaulichte beispielhaft, welche Ergebnisse sie und ihr Team mit ihren Forschungen erzielen konnten.

Dr. Claudia Weiand
O-Ton: Wir hatten einen Patienten, der war 24 Jahre alt, der hatte ein schweres Schädel-Hirn-Trauma nach einem Unfall erlitten. Er regenerierte dann so weit, dass er täglich zu uns kam und sagte: „Ich will wieder Auto fahren“. Am Schluss – er brauchte ungefähr 12 Wochen, die er bei mir war und täglich kam – er war wieder interessiert an Ausbildung und am Weiterkommen, nicht mehr nur am Auto fahren. Wir hatten das Ziel Berufsförderungswerk, es war jetzt erreichbar. 12 Wochen zuvor dachten wir noch, er würde in eine Behindertenwerkstatt gehen müssen.

Behinderte und chronisch-kranke Menschen bedürfen der besonderen Zuwendung. Der kleinste Fortschritt kann als großes Glück begriffen werden.
Die Fürst Donnersmarck Stiftung zu Berlin, eine sehr agile 90Jährige, macht genau das: sie ermöglicht Menschen mit Behinderung gesellschaftliche Teilhabe und ein Leben in Selbstbestimmung.

Autor Andrea Protscher - www.audiolink-online.de
 

 

Die Pressemeldung

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Hintergründe und Fakten
 

Der Hörbericht

PC-Qualität - 2.6 MB
Dauer 5min 36
 
Radio-Qualität - 5.2 MB
Dauer 5min 36
 

Fotos

Fotos von der Preisverleihung