Ein Frauenteam beim Donnersmarck-Cup 2007

Mädchenhauer gegen die Unschuldigen

Spielszene mit Rollstuhlsportlern

Das erste Frauenrugbyteam der Welt spielt beim Donnersmarck-Cup 2007


Zuschauer wie Spieler beim Rollstuhlrugby sind kein Theaterpublikum: „Petra lass dir nichts gefallen, ich will den Schneidezahn sehen.“ oder „Rudi, lass die Hände weg von der Frau“ oder ein ironisches „Mädchenhauer“ waren am Wochenende vom 9.-11. März 2007 in der Seehalle des HausRheinsberg zu hören. So ganz normal sind Spiele gegen ein reines Frauenteam im Quadrugby noch nicht. Die Zuschauer ohne Vereinsbindung waren bei allen Spielen auf der Seite der Frauen in den roten Hemden mit dem Aufdruck „not guilty“, unschuldig.

Die beiden Frauen hinter dem Projekt sind Anke Kurzmann aus Köln und Johanna Meredith aus Holzwickede, Kreis Unna: die eine gelernte Schreinerin, die andere vormalig Empfangschefin im Hotel. Sie organisieren die Frauschaft, besorgen Sponsoren und stellen Anträge. Denn sie wollen den Kreis der rund 40 in Vereinen spielenden Frauen vergrößern. Ihnen schwebt in der Zukunft ein deutscher Ligabetrieb für Frauen vor. „Uns bringt der Sport Selbstwert, Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit. Das ist Rehabilitation pur. Wir wollen eine Plattform für die Frauen bilden, egal ob sie schon in einem Verein spielen oder nicht. Jede bekommt Spielzeit, und vor allem haben wir viel Spaß,“ erzählt Johanna Meredith. Anke Kurzmann ergänzt: „Hier werden Muskeln aufgebaut, die man sonst als Tetraplegiker nicht nutzt, aber auch der Kopf profitiert von dem Spiel, in dem nicht allein Kraft entscheidet, sondern auch Taktik und Spielverständnis.“

Ein bisschen schwerer als die Männer hätten sie es auch in anderer Hinsicht: „Oft steht die Familie nicht hinter dem Sport und man wird auf der Familienfeier kleingemacht, wenn man mal einen Termin in der Familie wegen des Sports abgesagt hat. Sehen Sie in die Halle, wie viele Frauen ihre Männer begleiten. Die Frauen stehen oft hinter dem Sport ihrer Männer. Solche Diskussionen müssen die Männer nicht führen,“ so Anke Kurzmann.

Das Turnier gewannen in diesem Jahr andere. Dazu Anke Kurzmann: „Das ist keine Schande. Denn wir trainieren hier, da wir uns ja sonst nicht zum Training treffen können, und haben uns während des Turniers spielerisch gesteigert.“ Ihren Schlachtruf „Zickenpower“ bringen sie schon so laut rüber wie die Männer ihre Schlachtgesänge. Die Heidelberg Lions bezwangen im Finale die Rollmöpse aus Greifswald mit 32 zu 30. Die Herzen der Zuschauer flogen aber den „unschuldigen“ Frauen zu. Und die hatten am Ende doch noch Glück. Als „Lucky Looser“ erhielten Sie einen Gutschein für ein Trainingswochenende in Rheinsberg. Diesen Preis hatten die Rollmöpse vor etlichen Jahren auch erhalten. Jetzt belegten ihre Mannschaften die Plätze 2 und 3 im Turnier. Wenn das kein gutes Zeichen für das Rollstuhlrugby der Frauen in Deutschland ist.
 

 

Fotos vom Donnersmarck-Cup

Die Spielergebnisse