Europa für alle

Tagung der EU-Kommission in Brüssel

5 Personen auf dem Podium
Am 18.1.2007 fegte Kyrill über das Land und in der Brüsseler Rue de la Loi - wie in vielen Teilen Europas - knickten die Schirme reihenweise, mit anderen Worten: wenig einladendes Reisewetter. Gleichzeitig eilten rund 200 Teilnehmer aus allen Teilen des Kontinents in den Saal 3 des Charlemagne-Gebäude zur Tagung „Europa für alle – eine Konferenz aller am barrierefreien Tourismus Beteiligten“. Die Abteilung Tourismus des Generaldirektorats Unternehmen und Industrie bei der EU-Kommission hatte mit Unterstützung des Projektes OSSATE die zweitägige Tagung zum Beginn des Europäischen Jahres der Chancengleichheit 2007 organisiert.

Nach Schätzungen der Abteilung Tourismus gehörten rund 130 Millionen Menschen in der EU zur der Gruppe der Touristen mit besonderen Bedürfnissen. Das seien ältere Personen, Familien mit kleinen Kindern sowie Menschen mit vorübergehenden Einschränkungen und Behinderungen. Diese Gruppe von Touristen werde wachsen und könne einen zunehmend interessanten Markt darstellen, wenn mehr Zugänglichkeit und eine höhere Dienstleistungsqualität realisiert werde, so die Abteilung Tourismus. Dieses Potenzial sei heute noch nicht ausgeschöpft.

Daher war es Zielsetzung der Konferenz, über gute Beispiele des barrierefreien Tourismus in Europa zu informieren sowie das Bewusstsein für den Einfluss und die zunehmenden Möglichkeiten im barrierefreien Tourismus stärken. Dr. Rüdiger Leidner, Ideengeber der Konferenz und abgesandter Experte für Tourismus bei der EU-Kommission, präzisierte seine Vorstellungen: „Mein Ziel war das Zusammenführen aller Beteiligten am barrierefreien Tourismus, um die Frage der Zugänglichkeit als Querschnittansatz bei der EU-Kommission zu verankern, wo sie zur Zeit noch als Spezialkategorie läuft.“ Mit der Form sei er nicht zufrieden: „Ich hätte lieber in Workshops gearbeitet und dort z.B. gemeinsame Kriterien entwickelt.

Inhaltlich teilten sich die zwei Tage in vier Themenblöcke: "Barrierefreiheit im Transportwesen”, „Barrierefreiheit in Ausbildung und Beschäftigung”, „Informationsangebote und Marketing im barrierefreien Tourismus“ und "Barrierefreie Infrastruktur bei Reisezielen". Zum Thema Informationsangebote präsentierte OSSATE die Internetdatenbank Europe for all, die ein dreistufiges Bewertungsverfahren bevorzugt. Ivor Ambrose von E-Worx, Griechenland: „Ohne die Selbstauskunft können wir die Zahlen der Datensätze nicht schnell genug steigern. Mittels klarer Kennzeichnung von Eigen- und Fremdbewertung sowie eines beschreibenden Datensatzes kann jeder Nutzer die Informationen gewinnen, die er benötigt.“ Die Diskussion im Anschluss drehte sich um die Zuverlässigkeit der Datenerfassung bei Selbstauskunft und die Kostenfrage bei der Fremdvermessung einerseits, andererseits um den Wert von vergebenen Symbolen für das Marketing. Dabei bezog Frederic Pierret, Direktor für Tourismus aus Paris, klar Stellung für das vierfache Logo aus Frankreich, das je nach Art der Anpassung Signets für Rollstuhlnutzer, Menschen mit Sehbehinderungen, kognitiven Einschränkungen und Hörbehinderungen vorsieht. Maria Nyman vom European Disability Forum zeigte „nur begrenztes Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Info-Systeme. Symbole sollten nur dann als Marketingtool einsetzbar sein, wenn sie auch durch Betroffene geprüft sind.

Corinna Abele, HausRheinsberg Hotel am See, berichtete über die Auswirkungen des barrierefreien Hotels für Stadt und Region im Themenblock "Barrierefreie Infrastruktur bei Reisezielen". Dabei zeigte sie zu einem die vielen Anpassungen in Region und Zuwachs an neuen Dienstleistungen vor Ort auf. Gleichzeitig berichtete sie von den Problemen mit der Privatisierung von Verkehrsanbietern und der daraus folgenden z. T. schlechteren Erreichbarkeit von Destinationen, z.B. wenn sich die Bahn aus der Fläche zurückzieht.

Franco Ianniello, Mitarbeiter im Generaldirektorat Unternehmen und Industrie, zog ein positives Fazit für die Konferenz, da sie die Beteiligten zusammen gebracht habe, die sich nun zusammen auf den Weg machen könnten: „Denn Europa lebt von der Unterschiedlichkeit, es wird auch nicht in Brüssel gebaut, sondern bei Ihnen vor Ort in ganz Europa!“

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