Jour fixe Peer Counseling

Ein Hörbericht

Blick in den Saal mit Publikum
Zum Bild: Viele Peers waren in der Villa

Beim Jour fixe der Fürst Donnersmarck-Stiftung wurde die Beratungsmethode „Peer Counseling“ vorgestellt. Das Wort stammt aus dem Englischen und bedeutet Beratung auf gleicher Ebene. Das heisst, dass die Berater selbst mit einer Behinderung leben und auf gleicher Augenhöhe mit Ratsuchenden sprechen.
Monika Maraun ist Gestaltherapeutin und Peer Counselorin bei der Fürst Donnersmarck-Stiftung.

O-Ton Monika Maraun_23sek
Es geht erstens darum, einen guten Umgang mit der eigenen Behinderung gefunden zu haben, selbst empowerment entwickelt zu haben und möglichst auch eine Peer Counseling-Ausbildung absolviert zu haben. Vorwiegend geht es um aktives Zuhören. Man mischt sich nicht in die Dinge des anderen ein, stülpt irgendwelche Ratschläge darüber, sondern hört zunächst einmal zu. Persönliche Dinge erzählt man, wenn man gefragt wird.

Die Beratungsmethode Peer Counseling hat einen politischen Hintergrund.
Eva Gebel-Martinetz , Psychologin beim Berliner Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen, hat sich mit der Geschichte befasst:

O-Ton Eva Gebel-Martinetz_22sek
Die Wurzeln von Peer Counseling sind in den sechziger Jahren in den USA zu finden. Wahrscheinlich fällt es zusammen mit dem Vietnamkrieg und den Widerständen, die sich daraus entwickelt haben, mit der Frauen- und der Antiapartheitsbewegung. All das hat einen Zündungsfunken in die Behindertenbewegung gegeben.

In Bremen wurde 1986 das erste deutsche Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen in gegründet. Daraus entstand eine Bewegung, und inzwischen gibt es bundesweit über 30 Zentren. Wichtig ist es den Peer Counseloren, dass sie eine Beratung durchführen, keine Therapie. Und oft sind sie ehrenamtlich tätig. Doch es können sich je nach Finanzierung auch berufliche Perspektiven für Menschen mit Behinderung ergeben.
 
Ein Rollstuhlfahrer un dzwei Frauen auf dem Podium
Zum Bild: Ilona Gölz, Monika Maraun und Michael Spörke (von rechts)

Mehr dazu von Ilona Gölz. Sie ist gelernte Ergotherapeutin und Peer Counselorin.

O-Ton Ilona Gölz_26sek
Vor fünf Jahren wurde bei mir Multiple Sklerose diagnostiziert. Daraufhin habe ich mich nach Angeboten umgesehen und bin auf die Fürst Donnersmarck-Stiftung gestoßen. Ich fand Peer Counseling eine hervorragende Möglichkeit, mich mit meiner Erkrankung auf anderem Weg auseinander zu setzen. Ich war damals am Ende meiner Ergotherapieausbildung und habe gemerkt, dass es schwierig werden könnte mit dem Beruf. Deshalb habe ich mich nach Alternativen umgesehen, bei denen ich auch nutzen kann, dass ich selbst betroffen bin und andere Erfahrungen mache als das medizinische Personal.

Inzwischen gibt es in Deutschland sogar eine Ausbildung zum Peer Counselor. Michael Spörke, Politologe und Referent der Geschäftsführung bei der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben e.V. betont, dass Peer Counseling auch die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung fördert.

O-Ton Michael Spörke_16sek
Die Qualifikation im Peer Counseling ist die Tatsache, dass ich selbst die Behinderung habe und meine eigenes Wissen und meine Erfahrungen in die Beratung mit ein fließen. Es sind Menschen aus den verschiedensten beruflichen und sozialen Hintergründen, die diese Beratung anbieten. Das macht das ganze ja auch so vielfältig.

In den letzten Jahren hat es einen Paradigmenwechsel in der Behindertenbewegung gegeben. Es ging weg von der reinen Fürsorge und hin zu mehr Selbstbestimmung. Auf gleicher Augenhöhe eben, und dafür steht die Beratungsmethode Peer Counseling.
 
Drei Frauen auf dem Podium im Gespräch
Zum Bild: Eva Gebel-Martinetz, Petra Stephan, Eileen Moritz (von links)
 

 

Hörbericht zum Herunterladen

Für alle, die nicht in der Villa sein konnten,
 

Produktion

Autorin und Moderation: Andrea Protscher, audio:link
 

Zur Meldung