Phil Hubbe zu Gast

Villa Talk mit Eileen Moritz

3 Porträts von Phil Hubbe nebeneinander
 
Das Konzept der Veranstaltung, das mit dem Worten "Sprich, damit ich dich sehe" von der Gastgeberin sehr gut beschrieben wurde, ging am 26.10.2007 zum zweiten Mal wunderbar auf. Der Villa Talk mit Phil Hubbe war ein voller Erfolg, wenn man den am Lachen der Besucher und den interessanten Einsichten über das Cartoon-Machen misst.

Vor rund 50 Besucher in der Villa Donnersmarck ließ der Cartoonist aus Magdeburg sogar ein wenig in die Werkstatt des Zeichnens blicken, ob ganz freiwillig oder nur geschickt durch die Talkmasterin angeregt, war nicht auszumachen. Das Ergebnis können Sie auf der Fotostrecke betrachten. Und wenn Sie auch ein wenig hören wollen, wie es am Freitag zuging, brauchen Sie nur die Audio-Dateien herunterladen.
 

Transskription des Audio-Beitrags

2 Hände zeichnen mit Filzstift
 
 

Villa Talk mit Phil Hubbe

Darf man über Behinderungen lachen? Der Magdeburger Cartoonist Phil Hubbe veröffentlicht seit vielen Jahren Zeichnungen aus dem Leben von Menschen mit Behinderung. Für seinen unverkrampften Umfang mit diesem Thema wurde er mit diversen Auszeichnungen geehrt. Eileen Moritz hatte Phil Hubbe zu Gast beim Villa Talk in der Fürst Donnersmarck-Stiftung.

Eileen Moritz: Ich beneide Sie an dieser Stelle, dass sie Bilder nutzen können. Wenn ich mich selbst sehe, wie ich mit einem Bildungsauftrag über Behinderung aufklären möchte, dann rede ich lange Romane zum Beispiel darüber, dass Behinderte oft indirekt angesprochen werden, dass man sie als Person nicht ernst nimmt, und sie malen einfach zwei Bilder und sagen viel mehr aus als ich in drei Romanen.
Phil Hubbe: Immer klappt das so nicht. Wie Sie schon sagten, ein gewisser Bildungsauftrag. Am Anfang meiner Arbeit dachte ich auch, ich müsste da noch irgendeine Botschaft hineinbringen, aber das geht nicht. Damit macht man einen Cartoon kaputt, ein Witz, der versucht eine Botschaft rüber zu bringen, ist kein Witz mehr.

Phil Hubbe weiß, worüber er zeichnet. Als bei ihm vor zwanzig Jahren Multiple Sklerose diagnostiziert wurde, bedeuteten Cartoons zum Thema Behinderung auch eine Form des Umgangs mit der Krankheit. So sind die Cartoons über MS Rainer mehr als ein Wortspiel. Immer wieder findet Hubbe es auch interessant, wie das Publikum auf seine Cartoons reagiert.

Hubbe: Meine erste Ausstellung fand in Magdeburg bei der AOK statt. Sie wurde vormittags aufgebaut. Neben dem Ausstellungsraum befand sich die Kantine, und als Mitarbeiterinnen herauskamen, sahen sie die Bilder, die noch auf der Erde standen. Die Frauen blickten sich um, ob sie beobachtet werden, und es war keiner da. Außer meiner Person, ich war um die Ecke verborgen. Und die Frauen lachten frei heraus über die Cartoons. Abends, bei der Vernissage hat keiner gelacht. Und das ist so eine Situation, da sage ich, Leute traut euch. Oder man kann ja gucken, ob ein Behinderter neben einem steht, und wenn der lacht, dann kann man auch lachen.

Das Publikum in der Villa Donnersmarck amüsierte sich vortrefflich.

Stimme aus dem Publikum:
Ich bin das erste Mal hier als Zuschauerin und finde es hochspannend. Denn ich erfahre über die Person Hubbe auch Hintergründe in Bezug auf Behinderung. Ich merke auch, wie das Gespräch immer tiefer in die Thematik hineingeht. Und das finde ich interessant, zu hören, wie hinter dieser humorvollen, karrikaturistischen Person Hubbe ein ernsthafter Mensch mit seiner Geschichte steht.

Und dann wurde es nochmals spannend. Phil Hubbe musste in 5 Minuten einen Cartoon zeichnen zu einem Thema, das ihm das Publikum vorgab. Zum Stichwort „Blindfisch“ meisterte er diese Aufgabe mit Bravour. Zu sehen ist der Cartoon übrigens auf der Internetseite der Fürst Donnersmarck-Stiftung.
Nach knapp drei Stunden ging ein amüsanter und tiefgründiger Abend zuende. Das Format Villa Talk verdient Aufmerksamkeit. Moderatorin Eileen Moritz erklärt die Absicht des Konzepts.

Moritz: Im Villa Talk geht es vor allem darum, Menschen vor zu stellen mit ihrem Leben, und anders auf Behinderungen zu blicken. Es ging heute den ganzen Abend um Behinderung. Aber es geht weder um Mitleid noch um Diffamierung oder die Frage, wie lebt der Mensch damit oder wie schafft er das alles. Die Person ist ja mehr, nämlich die Arbeit, die sie leistet oder die Ideen, die sie vertritt. Und diese Menschen, die bestimmte Ideen vertreten, möchte ich hier einladen.

Outro: Musikbett Villa Talk
 
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